Neue Judo-Wettkampfregeln der IJF 2018-2020

Die neuen Wettkampfregeln der IJF für 2018-2020 wurden nun nach der Testphase im Jahr 2017 endgültig festgeschrieben. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen des diesjährigen Turnierzyklus sind noch einige Anpassungen vorgenommen worden. Die Regeln gelten zunächst nur für Turniere des IJF. In welchem Umfang der DJB und der BJV die Regeln übernehmen werden, ist noch abzuwarten. (Typischerweise übernimmt der DJB die Regeln. Eventuell wird es altersspezifische Anpassungen für den Jugendbereich geben.)

Die Punkte, die sich im Vergleich zu den bisherigen vorübergehenden Regeln geändert haben, sind fett dargestellt.

  • Reguläre Kampfzeit für Männer und Frauen: 4 Minuten
  • Es gibt nur noch die Wertungen Ippon und Waza-ari. Es gibt kein Yuko mehr. Techniken, die bisher mit Yuko gewertet wurden, werden nun mit Waza-ari gewertet.
  • Ippon wird gegeben, wenn der Kämpfer seinen Gegner mit Kraft, Geschwindigkeit und kontrolliert auf den Rücken wirft. Eine rollende Bewegung im Wurf kann nur dann als Ippon gewertet werden, wenn es während der Landung keine Unterbrechung gibt.
  • Waza-ari wird gegeben, wenn die vier Kriterien des Ippon (Kraft, Geschwindigkeit, Kontrolle, auf den Rücken) nicht vollständig erfüllt werden. (Das schließt die alte Yuko-Wertung ein!)
  • Zwei Waza-ari werden zu einem Ippon aufaddiert (Waza-ari awasete ippon) und führen zu einem sofortigen Sieg. (Dieser Punkt ist sehr umstritten und wird in der Judo-Gemeinde kontrovers disktutiert, da man nun mit zwei mangelhaft ausgeführten Würfen – ehemals Yuko – einen Kampf vorzeitig beenden kann, während ein schöner Ippon nicht mehr unbedingt das Ziel eines Kämpfers sein könnte.)
  • Landet der Gegner rückwärts auf beiden Ellenbogen oder Armen, ist der Wurf dennoch gültig und wird mit Waza-ari gewertet.
  • Landet der Gegner seitlich auf einem Ellenbogen, auf dem Gesäß oder dem Knie und wird dabei ohne Unterbrechung auf den Rücken gerollt, wird die Technik mit Waza-ari gewertet.
  • Landet der Gegner in der Kopfbrücke, wird der Wurf mit Ippon gewertet.
  • Wird versucht, durch eine absichtliche Landung auf dem Kopf eine Wertung zu vermeiden, wird diese Aktion mit Hansoku-make bestraft (da diese Aktion als stark gesundheitsgefährdend eingestuft wird).
  • Geschieht die Landung auf dem Kopf unfreiwillig (z.B. bei einem tiefen Seoi-nage), gibt es keine Bestrafung.
  • Wenn bei einem Angriff mit Konter beide Kämpfer auf der Seite landen, kann derjenige, der zuerst auf der Seite landet nur dann eine Wertung erhalten, wenn er eindeutig die Kontrolle des Wurfes übernommen und die Aktion zuende geführt hat. Ist keine klare Kontrolle durch einen Kämpfer erkennbar, gibt es keine Wertung.
  • Bei einer Haltetechnik wird ab 10 Sekunden die Wertung Waza-ari vergeben, nach 20 Sekunden Ippon.
  • Die Haltetechnik außerhalb der Kampffläche wird fortgesetzt, wenn sie innerhalb begonnen wurde. Das gilt auch, wenn Uke die Kontrolle außerhalb der Kampffläche übernimmt und den Gegner hält.
  • Innerhalb der regulären Kampfzeit kann der Kampf nur durch eine technische Wertung (Waza-ari oder Ippon) entschieden werden. Strafen sind nicht entscheidend für den Sieg (mit Ausnahme von Hansoku-make).
  • Das dritte Shido wird zum Hansoku-make. Hansoku-make wird als Ippon für den Gegner gewertet.
  • Wenn zum Ende der Kampfzeit Gleichstand bei den technischen Wertungen herrscht (Shido werden nicht berücksichtigt), wird der Kampf im Golden Score fortgesetzt. Bereits gegebene Shido werden dabei übernommen.
  • Ein Golden Score kann nur durch technische Wertungen oder Hansoku-make des Gegner gewonnen werden, nicht durch Shido, da Shido keine Wertung ist. (Auch hierzu gibt es kontroverse Meinungen, da man befürchtet, dass langweilige Kämpfe noch länger dauern könnten.)
  • Der Griffkampf darf bis zu 45 Sekunden dauern, sofern es dabei einen Fortschritt gibt. Wenn nach 45 Sekunden kein Angriff erfolgt, wird ein Shido gegeben.
  • Shido gibt es für folgende Aktionen: Den gegnerischen Griff mit zwei Händen lösen. Den Gegnerischen Griff mit einem Schlag gegen Arm oder Hand vermeiden. Die eigene Jacke oder die des Gegners absichtlich aus dem Gürtel ziehen. Das eigene Rever abdecken, um den gegnerischen Griff zu vermeiden. Die Hand des Gegners mit der eigenen Hand blockieren. Den gegnerischen Griff mithilfe eines Beines lösen.
  • Wenn der Kampf mit Mate unterbrochen wird, müssen beide Kämpfer schnell ihren Anzug richten. Wenn ein Kämpfer dies absichtlich verzögert, erhält er ein Shido.
  • Wenn man einen unkonventionellen Griff verwendet (Pistolengriff, Taschengriff, Gürtelgriff, einseitiger Griff, Kreuzgriff…), muss darauf sofort ein Angriff folgen. Falls kein Angriff folgt, wird die Aktion mit Shido bestraft.
  • Wird der Gegner mit beiden Armen in eine abgebeugte Kampfhaltung gezwungen, ohne dass darauf ein unmittelbarer Angriff erfolgt, erhält man ein Shido.
  • Wenn man mit einem Fuß die Kampffläche verlässt, ohne dass man gleich darauf wieder zurück auf die Kampffläche geht oder angreift, erhält man ein Shido.
  • Für einen Griff unterhalb des Gürtels (z.B. an die Hose) erhält man, auch beim wiederholten Mal, ein Shido.

(Quelle: IJF)